Genstande / Gegenstände

Minderheitenleben – Leben in der Minderheit

 von Anna Buck

Forscher suchen Geschichten und Gegenstände aus dem Grenzland für das deutsch-dänische Projekt Minderheitenleben

Hängen bei den deutschen Nordschleswigern rot-weiß geflochtene Herzen und Strohsterne am Tannenbaum oder eher das in Deutschland so beliebte Lametta? Bekommen Kinder zur Einschulung in die dänischen Schulen südlich der Grenze auch die typisch deutschen Schultüten mit auf den Weg ins Klassenzimmer? Drei Mitarbeiter des deutsch-dänischen Projekts Minderheitenleben suchen nach Geschichten und Gegenständen der beiden großen Minderheiten im Grenzland. Flensborg Avis und Der Nordschleswiger berichten in den kommenden Monaten in einer vierzehntätigen Artikelserie über neue Funde und Entwicklungen des Projekts.

Gruppebillede skaleret

Sie suchen nach Geschichten und Gegenständen der beiden großen Minderheiten im Grenzland: Anna Buck, Inge Adriansen, René Rasmussen, Ruth Clausen an der deutsch-dänischen Grenze am Oksenweg. Foto: Roald Christesen, Projektmitarbeiter.

 

„Wir wollen das Leben der Minderheiten von 1945 bis heute erforschen“, erklärt Ruth Clausen, Leiterin des Deutschen Museums Nordschleswig und Mitarbeiterin des grenzüberschreitenden Forschungsprojektes. „Wir dokumentieren das Alltagsleben und die Veranstaltungen im Grenzland, führen Befragungen durch und sammeln Gegenstände, die das Leben in den Minderheiten sowie das Zusammenleben der Kulturen im Grenzland symbolisieren“, fügt die gebürtige Nordschleswigerin hinzu. Das Projekt wurde vom Museum Schloss Sonderburg gemeinsam mit den drei Museen der Minderheiten, Dannewerk Museum und den Deutschen Museen Nordschleswig, ihren Archiv- und Forschungsinstitutionen sowie dem Bund Deutscher Nordschleswiger, BDN, dem Südschleswigschen Verein, SSF, und der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg initiiert. Finanziell unterstützt wird es unter anderem von dem Interreg IVa-Programm der EU.

Kleine Dinge erzählen große Geschichten

Seit September suchen Clausen und René Rasmussen, Kurator im Dannewerk Museum, nach Gegenständen, Bildern, schriftlichen Dokumenten oder anderen Dingen, die von besonderen Ereignissen oder dem alltäglichen Leben, von Kultur oder Politik und vor allem von nationaler Identität im Grenzland erzählen.

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„Eine Besonderheit in der Sammlung über die dänische Minderheit ist ein blau-gelber Pullunder, den eine Mutter für ihren kleinen Sohn zum Fußballspielen im Jahr 1943 gestrickt hat“, erzählt Rasmussen. Die Vorderseite der Weste zeigt zwei blaue Löwen auf gelbem Hintergrund – die schleswigschen Farben und Motive als Zeichen der Zugehörigkeit zur Minderheit. „Solch eine kleine, selbst gestrickte Weste bergt eine große und wichtige Geschichte über die nationale Identität“, sagt der Historiker Rasmussen, „und die möchten wir gern weitererzählen“.

Traditionen entschlüsseln

Nicht nur Gegenstände erzählen Geschichten. Auch scheinbar beiläufige Bräuche bei privaten wie öffentlichen Veranstaltungen, wie das Tanzen um den Weihnachtsbaum oder das Laternelaufen, drücken bestimmte Lebensweisen aus. „Wenn Familien beispielsweise am Geburtstag eine bestimmte Flagge hissen oder miteinander in einer bestimmten Sprache singen, vermitteln sie dadurch ihre Identität“, erklärt Anna Buck, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Sønderjylland – Museum Schloss Sonderburg. „Unsere Aufgabe ist es, diese Vorgänge festzuhalten und ihren Hintergrund zu entschlüsseln“. Hierfür lässt die 27-jährige Volkskundlerin aus Südschleswig auch die Menschen im Grenzland zu Wort kommen. Die Interviews sollen einen persönlichen Einblick in das Leben im Grenzland geben. Gesucht werden Erzählungen über das Vereinsleben, beispielsweise im Frauen- oder Ruderverein, über die Sprachvermittlung oder die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. „Wir suchen Personen jeder Altersstufe und Berufsgruppe, um ein vielfältiges Bild von Erlebnissen, Erzählungen und Eindrücken zu bekommen“, so Buck, die Dritte im Bunde um das Projekt Minderheitenleben.
Die Befragungen können entweder gemütlich zu Hause, im Dänischen Generalsekretariat in der Norderstraße in Flensburg oder im Museum Schloss Sonderburg durchgeführt werden.

Die gesammelten Gegenstände sollen anschließend in Ausstellungen über die Minderheiten in den vier involvierten Museen münden. Zudem soll ein Buch herauskommen, das neben den Geschichten rund um die Gegenstände auch Berichte über das aktive Leben der Grenzlandbewohner, ihre Veranstaltungen und ihr Vereinsleben beinhaltet. „Zwar wurde viel über die Minderheiten in der Zeit von 1864 bis 1955 geschrieben“, weiß Anna Buck, „doch wenig zu den aktuellen Ereignissen und zum alltäglichen Leben in der heutigen Zeit. Doch das wollen jetzt wir mit unserem Projekt Minderheitenleben ändern.“

Wenn auch Sie Lust haben, mit Gegenständen oder Erzählungen zum Projekt beizutragen, wenden Sie sich an:

Anna Buck, Tel. (+49) 0461 14408 174, Mobil: (+49) (0) 176 80138323, E-mail: anna@syfo.de

Ruth Clausen, Tel. (+45) 29 38 75 99, E-mail: minderheitenleben@deutsches-museum.dk

René Rasmussen, Tel. (+49) (0) 177 2572 519, E-mail: mindretalsliv@syfo.de

Auch im Internet können Sie Beiträge einreichen:www.minderheitenleben.dk