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Euroschule – Festival der Sprachminderheiten

von Ruth Clausen

Es herrscht eine angenehme Stimmung an diesem trüben Nachmittag im April 1997, als kleinere Schülergruppen auf dem Marktplatz in Tondern erstmals zusammentreffen. Viele der über 200 Kinder im Alter von 10-12 Jahren sind erwartungsfroh und unterhalten sich lebhaft. Neben dänisch und deutsch werden friesisch, sorbisch, bretonisch, gälisch, ladinisch und andere Sprachen gesprochen. Trotz der vielen unterschiedlichen Sprachen haben die Anwesenden etwas gemeinsam: Sie tragen ein T-Shirt oder einen Pullover mit einem strahlenförmigen Logo, das den Schriftzug „Euroschule ´97“ trägt.

Kleidungsstücke mit Erinnerungen

Das abgebildete T-Shirt mit dem dazugehörigen Käppi gingen dem Projekt „Minderheitenleben“ vor einigen Wochen zu. Es sind Kleidungsstücke, die an ein interkulturelles Ereignis erinnern, das 1997 in der deutschen Minderheit in Nordschleswig stattfand. Das Festival „Euroschule“ richtete sich an Schüler aus Sprachminderheiten in Europa, die für eine Woche an deutsche Schulen in Nordschleswig reisten, um sich gegenseitig bei sportlichen Wettkämpfen und kulturellen Veranstaltungen kennenzulernen. Gefördert wurde das Treffen durch das Europäische Büro für Sprachminderheiten (EBLUL), welches sich für Minderheiten- und Regionalsprachen in Europa einsetzt.  Die Veranstalter erhofften sich, bei den Teilnehmern ein Bewusstsein für die Sprachenvielfalt in Europa zu fördern, um dadurch ein aufgeschlossenes Miteinander in der Zukunft zu begünstigen.

T-Shirt [1] T-shirt und Käppi der Euroschule 1997 -Foto: Roald Christesen

Eine gemeinsame optische Erscheinung trug zum Gemeinschaftsgefühl bei. „Die T-Shirts und Käppis wurden von den meisten mit Vergnügen getragen“, berichtet Susanne Nickelsen, die als Lehrerin an der Deutschen Schule Tingleff das Euroschul-Treffen 1997 mitorganisierte. Die deutsche Nordschleswigerin erinnert sich an eine gelungene Veranstaltung mit interessanten Begegnungen. In die Veranstaltungsplanung konnte Susanne Nickelsen ihre Erfahrung einbringen, hatte sie in der Vergangenheit doch schon mit Freude an mehreren Euroschul-Festivals teilgenommen, die alle zwei Jahre in verschiedenen Ländern veranstaltet wurden.

 

Kreative Verständigung

Die Idee, ein Treffen für Kinder aus Sprachminderheiten in Europa auszurichten, kam erstmalig in den 1980er Jahren auf und wurde 1988 in der Bretagne/Frankreich umgesetzt. Aus Nordschleswig nahm der damals 12-jährige Schüler Jan Diedrichsen mit seinen Klassenkameraden der Deutschen Schule Tingleff teil. Diedrichsen, der heute Direktor der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) ist, beeindruckte damals die Begegnung mit einer ihm noch unbekannten Kultur. In Erinnerung geblieben ist dem Nordschleswiger der Kontakt zu Kindern aus dem Baskenland, der sich mangels einer gemeinsamen Sprache zunächst schwierig gestaltete. „Doch mit 12 Jahren ist das ja bekanntlich kein Hindernis“, bemerkt Diedrichsen. Durch den Einsatz von Händen und Füßen verständigten sich die Schüler schließlich doch. Am Ende wurden sogar Adressen ausgetauscht. Obwohl den Schülern in diesem Alter die Hintergründe des Treffens wenig bewusst waren und Jan Diedrichsen sich nicht an „große völkerverständigende Erlebnisse“ erinnert, erreichten die Teilnehmer, was die Veranstalter beabsichtigten: Die aufgeschlossene Begegnung von Kindern, die spielerisch und ohne sprachliche Hemmungen Kontakte knüpfen.

 

Der 12 järiger Der 12 jährige Jan Diedrichsen bei einem Interview über die Euroschule 1988 in der Bretagne. Foto -privat

Für die spätere Jugendarbeit europäischer Minderheiten gaben die Euroschul-Treffen wichtige Impulse. Zum Bedauern von Susanne Nickelsen und Jan Diedrichsen wurde das wiederkehrende europäische Schulfestival vor einigen Jahren eingestellt. Vielen Teilnehmern sind die Treffen in Erinnerung geblieben – nicht nur durch materielle Überreste in Form von Kleidungsstücken.

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